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an-online: Aachener Nachrichten - Panorama 15.11.2002 | 19:33 Uhr Die britischen Boulevardblätter und das Feindbild Deutschland Yellow Press langt wieder zu Von Christoph Driessen |
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London (an-o) - Am Freitag konnte die deutsche Botschaft in London eine kleinere Zeitungsausschnittsammlung ins Berliner Außenministerium schicken: Lauter Berichte über Deutschland - nur leider war wieder nichts Positives dabei. Die "Sun" fragt neben dem Konterfei von Bundeskanzler Schröder: "Ist dies der aufgeblasenste Mann in Europa?" Und fast alle Blätter berichten in teils großer Aufmachung über zwei in England arbeitende Deutsche, die nach eigener Darstellung in unerträglicher Weise schikaniert worden sind. Jens Puhle (30) aus Berlin und Heinrich Sawatzki (41) aus Bonn wurden demnach in der britischen Motorola-Zentrale in Swindon als "Hitlers Handlanger" und "Obersturmbannführer" beschimpft: Kollegen marschierten im Stechschritt durchs Büro, sangen Lieder über Hitler, imitierten ihren deutschen Akzent und machten Anspielungen auf Gaskammern. Jetzt wollen die beiden das Unternehmen verklagen.
"Wie Katzen Vögel töten, so machen wir Witze über Deutsche", bekennt der "Guardian"-Kolumnist Simon Hoggart. "Es ist das Ergebnis eines tiefen atavistischen Urinstinkts." "Sunday Times"-Kolumnist A.A. Gill schrieb: "Wir alle hassen die Deutschen - na kommt schon, gebt's zu, es ist in Ordnung: Wir hassen sie." Eine Umfrage unter britischen Jugendlichen ergab, dass sie Deutschland für das langweiligste und unattraktivste Land Europas halten. Die zwei Dinge, die ihnen bei "Germany" als erstes einfielen, waren Hitler und der Zweite Weltkrieg. Wohl nicht nur bei Schülern: Selbst in den größten Buchhandlungen stehen unter "Geschichte" bei Deutschland meist nur Bücher über die Nazis. Wenn irgendjemand an dem fatalen Image schuld ist, dann wohl Her Majesty's Boulevardpresse, die einfach jedes Thema mit deutschem Bezug in den historischen Kontext einzubetten versteht. Die "Mail on Sunday" begann einen Artikel über Waldspechte mit den Worten: "Eine deutsche Invasionsmacht sammelt sich auf der anderen Seite des Kanals. Der Schwarze Waldspecht hat von den deutschen Wäldern aus schon große Teile Kontinentaleuropas kolonisiert. Sein nächstes Ziel im westlichen Blitzkrieg: Britannien." Generationen deutscher Diplomaten haben schon protestiert. 1990 erklärte der deutsche Botschafter dem Chefredakteur der "Sun" zwei Stunden lang, dass Deutschland heute eine stabile Demokratie ohne Ambitionen auf ein Viertes Reich sei. Tags drauf erschien die Titel-Schlagzeile: "Der Hunne redet mit der Sun." Andererseits: Viele Deutsche, die schon lange in Großbritannien leben, berichten nur Positives. Aber Philip Hensher, ein Kolumnist des "Independent", ist wohl nicht allein, wenn er feststellt, dass die Beziehungen zwischen Deutschen und Briten einfach nicht besser werden wollen: Schlimmer als vor 25 Jahren "Die Situation scheint mir viel schlimmer als vor 25 Jahren." Kaum einer auf der Insel habe noch Interesse an dem Land, für das die viktorianischen Engländer einst schwärmten: "Am Ende werden die Boulevardzeitungen unsere einzige Verbindung zur deutschen Kultur, Sprache und Bevölkerung sein." |