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Shuttle-Mission mit Grillen   Quelle: rhein.zeitung.de

Space research laboratory Spacelab lifts off for its 22nd mission with medical and biological experiments on board

Bremen, April 17, 1998

Columbia startet am Donnerstag - Vier deutsche Versuche

Köln - Mit Fischen, Schnecken, Grillen und Menschen als Versuchsobjekten startet das Space Shuttle Columbia am kommenden Donnerstag vom Kennedy Space Center (Florida) zur Forschungsmission "Neurolab" ins All. Vier der 26 wissenschaftlichen Experimente werden von deutschen Forschern geleitet, teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Dienstag in Köln mit.

Das Archivfoto zeigt die "Unterdruckhose" der DLR in der Erprobung. Das silbrig glänzende Bauteil für medizinische Experimente ist der deutsche Bestandteil der internationalen Spacelab-Mission "Neurolab". Mit der teuersten jemals angefertigten "Hose" soll das Herzkreislauf-Verhalten von Astronauten in der Schwerelosigkeit untersucht werden.

 

Im Mittelpunkt steht dabei das Nervensystem - vor allem das Gleichgewicht, die Entwicklung von Sinnesorganen und das Nervenwachstum. Die bei fehlender Schwerkraft gewonnenen Erkenntnisse sollen zur Diagnose und Therapie von Krankheiten dienen. Mit einer speziellen "Unterdruckhose" erforscht ein Team um Friedhelm Baisch vom DLR die Regulierung des Blutdrucks. Es geht unter anderem um Gleichgewichtsstörungen beim raschen Aufstehen aber auch nach krankheitsbedingter Bettruhe. Die Entwicklung der Hose, die auch im All die Schwerkraft simuliert, hat etwa 3,2 Millionen Mark gekostet.

"Mit diesem Gerät soll das Herzkreislauf-Verhalten von Astronauten in der Schwerelosigkeit untersucht werden", erklärt Peter Nobmann, Projektmanager bei der Daimler-Benz Aerospace (Dasa) in Bremen, die das Gerät entwickelt hat. Nach der Rückkehr zur Erde muß das Herz beim Pumpen von Blut aus den Beinen bis in den Kopf wieder wesentlich mehr Arbeit leisten als im All. "Deswegen habe viele Astronauten Gleichgewichtsstörungen und Herzkreislauf-Beschwerden", sagt Nobmann. Dies sei vergleichbar mit dem Patienten, der nach drei Wochen in der Klinik plötzlich wieder aufstehe. Bei der Mission schlüpft ein Astronaut in die Unterdruck- Hose. Sie simuliert die Schwerkraft und sofort muß das Herz einen Teil der gewohnten Leistung bringen.

Reaktionszeit

Mehr über die Reaktionszeit und die Koordination von Bewegungen will ein Team um Prof. Otmar Bock von der Deutschen Sporthochschule in Köln herausfinden. Bei dem Experiment werden dem Probanden verschiedene Signale auf einem Bildschirm gezeigt. Die darauf folgenden Handbewegungen werden aufgenommen, verrechnet und geprüft, ob ein Mensch in Schwerelosigkeit seine Hände ebenso schnell und präzise benutzt, wie auf der Erde. Astronauten hatten berichtet, daß die Koordination der Bewegungen im All beeinträchtigt ist. Der Versuch soll das Astronautentraining verbessern und Kenntnisse über Bewegungsstörungen bringen.

Gleichgewichtssinn

Wie sich die Nervenbahnen von Grillen bei fehlender Schwerkraft entwickeln, erforscht Prof. Eberhard Horn von der Universität Ulm. Die Tierversuche sollen auch Rückschlüsse über den Gleichgewichtssinn und die Entwicklung des Nervensystems des Menschen geben.

Mini-Ökosystem

Mit dem Mini-Ökosystem Cebas (Closed Equilibrated Biological Aquatic System) untersucht ein internationales Forscherteam die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf Fische, Schnecken und Mikroorganismen. Zudem könnte Cebas, das auch Pflanzen enthält, als Modell für ein sich selbst erhaltendes System im All dienen. An dem Experiment sind unter anderem Prof. Volker Blüm von der Universität Bochum und Prof. Wilhelm Becker (Universität Hamburg) beteiligt.

Die deutsche Beteiligung an der vorläufig letzten Spacelab-Mission ist nach Angaben der DLR ein wichtiger Schritt zur Vorbereitung der Internationalen Raumstation. Ihr Aufbau soll im Herbst beginnen und bis 2003 abgeschlossen sein. dpa - Fotos: dpa, AP

With a 24-hour delay, the US space shuttle "Columbia" lifted off from the Kennedy Space Center in Florida on Friday at 8.19 p.m. (CEST). Anchored in the payload bay, the European space research laboratory Spacelab, which was developed and built by the Space Infrastructure Business Unit of Daimler-Benz Aerospace AG (Dasa, Munich) under contract to ESA (European Space Agency), will fly aboard the US space shuttle.

21 missions have already been completed since Spacelab's maiden flight in 1983. During that time, 121 astronauts were in charge of the experiments and measuring equipment provided by scientists from all over the world.

The 16-day Spacelab mission under the name "Neurolab" will be devoted to human physiology including the many and diverse tasks of life sciences. The mission will focus on research in function and development of adaptation processes in man and animal under microgravity conditions. Biological experiments will be carried out by means of an aquatic system. Seven astronauts will work in two shifts in the laboratory to program experiment sequences according to the instructions given by the experimenters via direct ground-air-ground communications.

Under contract to Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR, Cologne), Dasa developed one of the most important experiment facilities of the Neurolab mission, a Lower Body Negative Pressure Device (LBNP), in order to examine the effects of space flights on the circulation of the astronauts. The findings gained will serve to better understand the regulatory processes of the cardiovascular system of the people on Earth. They will be also used to develop procedures to minimise disturbance of the astronauts' health during long-term missions in space.

In order to be able to carry out the required tests and experiments, the astronauts will disappear up to their waist into the tubular device. Proven materials, such as parachute fabric and wetsuit zips were used by Dasa to test the space facility which will be used on the International Space Station ISS later on.

Source: EADS