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Botschafter kritisiert Geschichtsbild der Briten

Fritz, Kraut, Blitz: Aus diesen drei Worten lassen sich für britische Massenblätter wie die Boulevardzeitung "Sun" Schlagzeilen über Deutschland basteln. Zunehmend wird dies aber auch auf der Insel kritisch gesehen. "Kraut-bashing", darüber sind sich Kolumnisten und Wissenschaftler einig, ist die einzig sozial akzeptierte Form von Fremdenfeindlichkeit in Großbritannien und ein eher englisches Problem. Schotten, Waliser und Nord-Iren sind laut Studien weniger anti-deutsch eingestellt.

In der NS-Zeit stecken geblieben

Der englische Blick auf Deutschland ist in der NS-Vergangenheit stecken geblieben und lässt die demokratischen Entwicklungen des Landes außer Acht. Dies sagte der deutsche Botschafter in London, Thomas Matussek, der englischen Zeitung "The Guardian". Er habe sich gewundert, als er erfahren habe, der Nationalsozialismus gehöre zu den drei beliebtesten Unterrichtsgegenständen an weiterführenden Schulen. "Es ist wichtig, so viel wie möglich über den Nationalsozialismus und den Holocaust zu wissen", so Matussek. "Genau so wichtig ist aber die Geschichte Deutschlands in den vergangenen 45 Jahren und die Erfolgsgeschichte der modernen deutschen Demokratie."

BBC testet die Briten

Mit 10 Fragen will die BBC auf ihrer Website nun herausfinden, ob die Briten tatsächlich so wenig über Deutschland und die Deutschen wissen. Mit "Sauerkraut" werden die User bewertet, die weniger als 5 Fragen beantworten können. Wer alle 10 Fragen richtig hat, bekommt das Qualitätssiegel "BMW". Das Mittelfeld (5-9 Punkte) bekommt den Titel "Blue Nun" verliehen. Der in Deutschland eher als "Liebfrauenmilch" bekannte Wein, erfreut sich größter Beliebheit in Großbritannien erfreut und sagt wahrscheinlich mehr über die Briten als Weinkenner, denn über die Deutschen als Winzer aus.

Anti-deutsche Vorfälle häufen sich

Berichte über Deutschland seien nicht immer wahrheitsgemäß, befand der deutsche Botschafter. Viel mehr ersetzten die Wiederholung von Vorurteilen und Stereotypen manchmal die Realität. In der Presse fänden sich Schlagzeilen wie "We want to beat you Fritz". Matussek erklärte in dem Interview, derartige Einstellungen hätten zu einem Vorfall im Oktober beigetragen, bei dem in London zwei deutsche Jungen zusammengeschlagen wurden. Die Deutsche Schule in London hattte ihren Schülern schon vor einiger Zeit geraten, in der Öffentlichkeit nur Englisch zu sprechen. Auch ein anderer Vorfall, der zwei Angestellte von Motorola zur Kündigung trieb, hatte Aufsehen in Großbritannien erregt. Die zwei Deutschen waren von den Hitler-Scherzen und Sprüchen ihrer britischen Kollegen so genervt, dass sie ihren Arbeitgeber sogar verklagten.

Gefangen in der Vergangenheit?

Deutsche wie Briten nehmen die Ausfälle der britischen Massenpresse, besonders zu Zeiten von Fußball-Länderspielen, oft mit Humor. Doch auch in der britischen Presse wird die Deutschenfeindlichkeit auf der Insel mit Sorge betrachtet: Ein Kommentar in der "Sunday Times" mit dem plakativen Slogan: "Gebt es zu - Wir alle hassen die Deutschen" erfuhr breiten Widerspruch. Und wie der "Guardian" in einem Leitartikel feststellt, sagt die "Obsession mit der Nazizeit" mehr über die Briten, als über die Deutschen aus. Überschrift des Artikels: "Gefangene der Vergangenheit."

AP/s

 

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