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Nachholbedarf beim Image-Wettbewerb der Nationen in den USA – Junge Amerikaner würdigen Nein zum Irak Krieg

Die Marke "Deutschland" ist überhaupt nicht cool

Von Thomas Rietig (Aachener Nachrichten, 24.Mai 2003)

 New York. Außer Berlin steht eigentlich nichts in Deutschland mehr auf der amerikanischen "Da-muss-man-gewesen-sein"-Liste. Harriet Mouchly-Weiss hat keine guten Nachrichten für Deutschland. Das Image der Marke liegt am Boden.

 Mouchly-Weiss ist Spezialistin für "Nation branding" in New York. Ihr Job ist es, Antworten auf die Frage zu finden: Wie pflege ich das Image einer Nation? Speziell das Image der deutschen Nation in Amerika zu pflegen, ist nicht ganz einfach. Einer, der es wissen muss, wie der Werbeagentur-Chef Bill Bernbach, wird gerne mit dem Kommentar zur Kampagne für den VW Käfer in Amerika zitiert: "How to sell a Nazi car in a Jewish town" (Wie man ein Nazi-Auto in einer jüdischen Stadt verkauft). In Schulbüchern findet Deutschland im Wesentlichen in Form des Holocaust statt, berichtet Mouchly-Weiss. Kaum etwas an Deutschland ist fiir die Amerikaner noch so "cool", dass es sie "anmachen" würde wie etwa Coca-Cola, die berühmteste Marke der Welt.

 Eine von der Deutschen Bank gesponserte Studie untermauerte 2002 denn auch mit Umfragen, dass der Fall der Mauer so ziemlich das letzte Positive ist, woran sich die Amerikaner im Zusammenhang mit Deutschland erinnern. Aber den größten Einfluss darauf, dass das Image Deutschlands nicht uneingeschränkt positiv ist, haben immer noch fast 60 Jahre zurückliegende Ereignisse: der Zweite Weltkrieg and der Holocaust.

 Das "T" ist gang and gäbe

 Und die Autos? Diese Symbole des Lifestyles wirkten eigentlich nur auf die Oberschicht, meint Mouchly-Weiss; in der mittleren Klasse böten sie auch nichts Besonderes mehr. Bei vielen anderen Dingen iiberlegten die Firmen jahrelang hin and her, ob sie das "Made in Germany" nun groß draufschreiben sollen oder nicht.

Die PR-Fachfrau zeigt zum Beweis ihre neue Kombination aus Kleincomputer and Handy, auf der groß "T-Mobile" steht, ein Logo, das mittlerweile in den Großstädten an der Ostküste gang and gäbe ist and offenbar so amerikanisch wirkt, dass der Kunde nur schwer auf die Idee kommt, es könne aus Deutschland stammen.

 Erst in jüngster Zeit kam Deutschland wieder in die Schlagzeilen - durch die Haltung der Bundesregierung und der Bevölkerung zum Irak-Krieg: Die Mehrheit der Amerikaner, insbesondere aber die Konservativen, fühlte sich betrogen, weil das Land, das von Amerika Demokratie gelernt and zu Wohlstand gebracht worden war, sich nun abzuwenden schien. Andererseits ergab sich, dass ein Teil der "jungen" Schicht der unter 35-Jährigen die deutsche Haltung zum Irak-Krieg sehr wohl positiv würdigte, wie Mouchly-Weiss sagte. Deutschland verlor alte Freunde and gewann neue. Und These kommen ihren Angaben zufolge aus einer Schicht, die in wenigen jahren maßgebliche Meinungsbildner stellt. Vielfach rückte auch Berlin mit seiner Kunst- and Kulturszene in den Blickpunkt. Junge Designer, junge Rockmusiker aus Deutschland seien absolut angesagt. Auch die ausgeprägte Haltung Deutschlands zum Umweltschutz gewinne in den USA Beachtung.